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Halbe Modernisierung zum Wandel der Wohlfahrtsverbände in Deutschland

von Günter Busch (verdi Bundesverwaltung)

Die Ökonomisierung des Sozialen ist bei den freien Wohlfahrtsverbänden ein gutes Stück vorangekommen. Wettbewerbselemente nehmen zu, die Subsidiarität bei der Finanzierung ist weggebrochen und an ihre Stelle treten neue Finanzierungsformen, Qualitätsmanagement und neue Formen staatlicher Steuerung in den Wohlfahrtsbereich hinein. Bei den Beschäftigten schwebt über allem der Wandel der Arbeitsanforderungen und vor allem der Druck auf die Arbeits und Entlohnungsbedingungen. Die Abkehr vom BAT als Leitwährung für den Wohlfahrtsbereich ist in vollem Gange und beschleunigt sich, wobei unklar ist, wohin die Reise gehen soll.

So könnte man das vorliegende Zwischenergebnis eines groß angelegten Forschungsprojektes der Sozialforschungsstelle Dortmund, finanziert durch die gewerkschaftseigene Hans-Böckler-Stiftung und durchgeführt von Heinz Jürgen Dahme, Gertrud Kühnlein und Norbert Wohlfahrt, beschreiben.

Das Projekt untersucht den Wandel der Arbeitsbedingungen und Qualifikationsanforderungen in sozialen Diensten durch Wettbewerb und neue Steuerungsformen. Wobei der Begriff soziale Dienste weit gefasst wird und Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Altenpflege, Kinder- und Jugendhilfe, Reha-Einrichtungen und anderes umfasst.

Veröffentlicht sind bisher der Zwischenbericht mit dem Titel: „Zwischen Wettbewerb und subsidiärer Leistungserbringung: die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege im Modernisierungsprozess" sowie die Dokumentation eines Workshops zu den organisationsund personalpolitischen Herausforderungen und Konsequenzen der Modernisierung für die freie Wohlfahrtspflege.

Insbesondere der Zwischenbericht liest sich streckenweise wie ein Kompendium der Wohlfahrtspflege:

Bedeutung der Wohlfahrtsverbände auf dem Sozialund Gesundheitsmarkt, Arbeitsbereiche, Beschäftigte, Kurzdarstellung der einzelnen Wohlfahrtsverbände AWO, DRK, DPWV, Caritas und Diakonie. Einen großen Raum nimmt die veränderte Finanzierung sozialer Dienstleistungen ein: Weg von der Subsidiarität, Selbstkostendeckung und vom politischen Korporatismus hin zu Wettbewerb, Markt und Konkurrenz und zu einer durch die Kommunalverwaltung regulierten Sozialmarkt. Auf dem macht sich der öffentliche Dienst weitgehend von einer eigenen Leistungserbringung frei und überlässt das Feld den Privaten oder eben den Wohlfahrtsverbänden.

Umfangreich auch die Darstellung, wie die Verbände innerorganisatorisch mit dem Wandel umgehen. Alle Verbände strukturieren sich derzeit grundlegend um: Leitbilder, Qualitätsmanagement, strategisches Management, Werteorientierung und Personalentwicklung sind hier die Stichworte.

Für die Beschäftigten besonders wichtig:

Die Veränderung der Arbeitsbedingungen und der Qualifikationsanforderungen. Umfangreich dokumentiert auch der Prozess die Abkopplung des Tarif- und Arbeitsrechts vom öffentlichen Dienst, das faktische Ende der Leitwährung BAT im Bereich der sozialen Dienste und die richtungslose Diskussion, wie es nun weitergehen soll. Dargestellt wird zwar die Modernisierung des Tarifrechts an Hand der „Eckpunkte" von ver.di, nicht aber die Prozessvereinbarung zur Modernisierung des BAT. Hier müsste noch nachgearbeitet werden.

Auf Grund der Dominanz der großen kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie geht die Untersuchung auch auf die Entwicklung im Bereich des 3. Weges der Kirchen ein. Sie gibt dabei den kirchlichen Arbeitgeberverbänden, insbesondere dem Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD), Raum für seine BAT-Kritik und seinen eigenen Ansatz für ein neues System der Grund und Leistungsvergütung.

Auch so kann man tote Hunde wieder zum Leben erwecken.

Den Schluss bilden Entwicklungen in den neuen Bundesländern, in denen die innerverbandlichen Reformen sehr viel weiter fortgeschritten scheinen als in den alten.

Fazit:

Die Umgestaltung ist auf halbem Wege, mit allen Ecken und Kanten eines solchen Prozesses, vor allem aber mit ungewissen Perspektiven für die bei den Wohlfahrtsverbänden beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Der Bericht ist zwar kritisch zu lesen, aber ein Muss für alle Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen, alle ehren- und hauptamtlichen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die mit Sozialem und Gesundheit zu tun haben.

Weitere Infos:

Freie Wohlfahrtspflege im Modernisierungsprozess: organisations und personalpolitische Herausforderungen und Konsequenzen

http://www.sfs-dortmund.de/docs/beit135.pdf

Zwischen Wettbewerb und subsidiärer Leistungserbringung: die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege im Modernisierungsprozess

http://www.efh-bochum.de/homepages/wohlfahrt/pdf/wohlfahrtsverb%e4nde.pdf

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