24. April 2004Landeskirche fehlt eine halbe Milliarde Euro 22 000 Angestellte sollen für weniger Geld länger arbeiten Bis zum Jahr 2010 rechnet die hannoversche Landeskirche mit einem Finanzloch von zusammen einer halben Milliarde Euro. HANNOVER. Wie die Hannoversche Presse meldet, beabsichtigt die Hannoversche Landeskirche, nach dem bereits beschlossenen Einstellungsstopp, weitere deutliche Einschnitte in die Beschäftigungsbedingungen. Die Finanzlage der hannoverschen Landeskirche (3,1 Millionen Mitglieder) ist noch schlechter als befürchtet. Wir haben im ersten Quartal zwölf Prozent weniger Kirchensteuer als vor einem Jahr", sagte der stellvertretende Präsident des Landeskirchenamtes, Rolf Krämer, der NP. Allein im vergangenen Jahr sei ein Minus von 44,1 Millionen Euro entstanden. Bis 2010 ergibt sich nach einer kirchlichen Modellrechnung wegen fehlender Einnahmen ein Defizit von zusammen bis zu 494 Millionen Euro. Das kann die Kirche noch aus Erspartem ausgleichen. Dann sind unsere Rücklagen aber aufgebraucht³, so Krämer. Damit die Kirche nach 2010 nicht in die Schulden rutscht, müsse sofort noch stärker gespart werden als bereits beschlossen. Das wird schwer", sagt Krämer, der alle Ausgaben im Schnitt noch einmal um zehn Prozent kürzen möchte. Allein 2004 sollen zehn Millionen zusätzlich gespart werden. Mit der Arbeitnehmervertretung will der Vize-Verwaltungschef über eine Halbierung des Weihnachtsgeldes von rund 22 000 Angestellten verhandeln. Das sind unter anderem Kindergärtnerinnen, Sekretärinnen, Verwaltungskräfte oder Diakone. Die Arbeitszeit soll von 38,5 auf 40 Stunden steigen. Bei den rund 3000 Pastoren und Kirchenbeamten gelten diese Regelungen bereits, ich halte da eine Gleichbehandlung für sinnvoll", so Krämer. Möglich seien Arbeitszeitverlängerung und Weihnachtsgeldkürzungen aber nur, wenn die Mitarbeitervertretung zustimme. Für Stellen, die die Landeskirche zu besetzen hat, gilt bereits eine Wiederbesetzungssperre von sechs Monaten. Krämer will der Synode, dem Kirchenparlament, vorschlagen, dass diese Regelung ab 2005 auch in Kirchengemeinden und Kirchenkreisen gelten soll. Es ist wichtig, jetzt zu handeln", betont der Finanzdezernent, dann können wir noch einen Gleitflug schaffen. Wenn wir nicht reagieren, müssen 2010 noch schmerzhaftere Entscheidungen getroffen werden". Auch betriebsbedingte Kündigungen seien dann nicht mehr auszuschließen. Hintergrund der Finanzmisere sind sinkende Mitgliederzahlen. Pro Jahr gehen rund 20 000 Kirchensteuerzahler verloren. Ein weiteres, wenn nicht grösseres Problem dürften die sich aus den Folgen der Steuerreform ergebenden Mindereinnahmen sein. Wir werden über den Fortgang der Diskussion berichten. Eine Stellungnahme der MAV, wie auch der Arbeitnehmerseite der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission liegen derzeit noch nicht vor. Der ver.di Landesbezirk Niedersachsen Bremen hat weitere Stellungnahmen angekündigt. JH
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