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Henriettenstiftung streicht Weihnachtsgeld

„Wir verhandeln mit der Mitarbeitervertretung über das Thema, es ist aber noch nichts entschieden“, sagte Stiftssprecher Joachim Döring gestern. „Dramatisch“ sei die wirtschaftliche Notlage aber nicht, die Stiftung stehe nicht vor der Insolvenz. 

Als Grund für die beabsichtigte Kürzung der Personalkosten nannte Döring die „schlechte Zahlungsmoral“ der Krankenkassen, die Rechnungen vielfach zeitlich verzögert beglichen. Zudem belaste die Umstellung auf ein neues Abrechnungssystem nach Fallpauschalen die Bilanz. Die Krankenkassen bestreiten hingegen, unpünktlich zu zahlen: „Klinikrechnungen werden in der Regel binnen zwei Wochen bezahlt“, versichert AOK-Sprecher Klaus Altmann. Nur wenn es Anzeichen gebe, dass eine Behandlung gar nicht notwendig war, prüften die Kassen die Rechnungen: „Dies betrifft alle Krankenhäuser und hat sich seit Jahren nicht verändert.“

Nach HAZ-Informationen hängen die Finanzprobleme der Henriettenstiftung mit Fehlkalkulationen zum Beispiel bei Investitionen zusammen. Da Neu- und Umbauten nicht vollständig vom Land finanziert werden, muss die Stiftung jeweils Teile der Kosten selbst tragen.

Die Beschäftigten ärgern sich vor allem über die „mangelhafte Informationspolitik“ der von Vorsteher Pastor Dieter Zinßer geleiteten Stiftung, hieß es in der Klinik. Intern seien die Finanzprobleme seit Monaten bekannt. Es sei schlechter Stil, die Notlage kurz vor der Auszahlung des Weihnachtsgeldes mitzuteilen – „und dann die Belegschaft zum Verzicht zu nötigen“, wie eine Pflegekraft sagt. Das Weihnachtsgeld macht 70 Prozent eines Monatslohns aus.

In den diakonischen Kliniken des Friederikenstifts und des Annastifts ist die Streichung des Weihnachtsgeldes derzeit kein Thema. Um Defizite zu vermeiden, gelten dort jedoch strikte Sparvorgaben. Auch in den kommunalen Krankenhäusern wird noch Weihnachtsgeld gezahlt. Da Fehlbeträge der kommunal geführten Häuser vom Steuerzahler ausgeglichen werden, ist der Spardruck dort weniger stark.

Die private Paracelsus-Klinik in Langenhagen hat sich mit dem Personal geeinigt, das Weihnachtsgeld um 40 Prozent zu kürzen. Im Gegenzug verzichtet die Klinik zwei Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen. Zudem gibt es künftig Extrazahlungen, wenn Gewinne erwirtschaftet werden.

Bericht HAZ vom 04.11.04

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