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01. März 2006

Krankenkassen siegen im Honorarstreit

 

Im Honorarstreit um ambulante Operationen müssen die Krankenkassen den Ärzten nicht mehr Geld zahlen. Das hat das Schiedsamt am Dienstag in Hannover entschieden. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) müsse dafür sorgen, dass die Leistungen der ambulanten Operateure angemessen vergütet werden, hieß es.

Die KVN will den Schiedsspruch vor dem Sozialgericht anfechten. „Das ist ein Desaster für die Patienten”, sagte ein KVN-Sprecher. Sie müssten nun mit erheblichen Einschränkungen rechnen. In dem Streit mit den Kassen geht es um eine Änderung des so genannten Honorarverteilungsmaßstabes. Seit 1. April 2005 wird das Geld der Kassen von der KVN nach einem neuen Modus auf die verschiedenen Arztgruppen verteilt. Die größten Verlierer sind dabei die ambulanten Operateure. Ärzten wird jeder Handschlag nach einem internen Punktesystem vergütet. Der Wert dieser Punkte fällt unterschiedlich aus – für ambulante Operateure betrug er vor der Honoraränderung 3,44 Cent. Danach sei er auf 2,48 Cent gesunken, heißt es bei der KVN. Die ambulanten Operateure fordern einen festen Punktwert von 5,11 Cent. Nach dem Schiedsspruch würden sie ab April 2006 wieder 3,44 Cent bekommen. Aus Protest haben viele Ärzte zuletzt ihr Skalpell ruhen lassen. Allein bei den Augenärzten warteten 7000 Patienten auf eine Behandlung, sagte Gerd Dieter von Koschitzky, Vorsitzender des Landesverbandes Ambulantes Operieren. Dabei werde es bleiben: „Der Streik geht weiter.” Das Einsetzen künstlicher Kniegelenke, die Behandlung von Leistenbrüchen oder Ballenoperationen am Fuß seien auch unter den neuen Bedingungen nicht wirtschaftlich. Diese Ankündigung stieß bei den Krankenkassen auf Unverständnis. Mit dem Schiedsspruch sei sicher gestellt, dass die ambulanten Operateure künftig wieder so viel Geld bekämen wie vor der Honoraränderung im vergangenen Jahr, hieß es bei der AOK. „Wir fordern die Ärzte auf, ihre rechts- und vertragswidrigen Aktionen sofort zu beenden”, erklärte ein Sprecher der niedersaächsischen Landesvertretung der Ersatzkassenverbände. Die Krankenkassen hatten den niedergelassenen Ärzten im Dezember bereits mit einer Kürzung der Honorare gedroht, falls der Streik der ambulanten Operateure weiter gehen sollte. Seinerzeit hatten Kassenvertreter der niedersächsischen Ärzteschaft den Abzug eines „zwei- bis dreistelligen Millionenbetrages” von ihrem Gesamthonorar in Aussicht gestellt.

 

Lauterbach warnt Ärzte

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat den Vorschlag niedergelassener Ärzte, die Kassenrezepte zu boykottieren, scharf kritisiert. „Das ist der blanke Horror“, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Ein Arzt, der seine eigenen Patienten erpresst, kann kein guter Arzt sein.“ Die Ärzte hatten angeregt, dass auch Kassenpatienten Privatrezepte erhalten und diese ihren gesetzlichen Versicherungen vorlegen.

Zum Bericht  Task Force der Krankenkassen deckt 1100 Betrugsfälle auf! 

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