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03. August 2006

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Ärzte demonstrieren in Hannover

Der Marburger Bund will nach dem Tarifabschluss der kommunalen Arbeitgeber mit ver.di die Streiks an den Krankenhäusern der Kommunen weiter verschärfen.

Das kündigte Rudolf Henke, der stellvertretende Vorsitzende des MB am Mittwoch bei einer Demonstration von Klinikärzten in Hannover an. Die Demonstration sei „der Auftakt zur weiteren Intensivierung der Streiks“, sagte Henke. Man wolle die kommunalen Kliniken nun flächendeckend wirtschaftlich treffen. Die Streiks sollten in allen Bundesländern die Intensität erreichen, die sie bislang nur in Bremen, Niedersachsen und Bayern hätten. Nach Aussage des Marburger Bundes demonstrierten über 4000 Ärzte aus ganz Deutschland in Hannover, die Polizei hingegen sprach von nur 2500 Demonstranten.

Der Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery betonte, der Arbeitskampf sei noch lange durchzuhalten. Der Tarifabschluss der kommunalen Arbeitgeber verschaffe den Ärzten erst recht Rückenwind. „Das wird unsere Leute jetzt erst richtig auf die Palme treiben“, sagte Montgomery im SWR. Den Arbeitgebern warf er zugleich politische Erpressung vor. Der Marburger Bund werde nicht nachgeben, betonte Montgomery. Er sei sich sicher, dass die Arbeitgeber ihre Politik nicht durchhalten könnten. Am Ende werde es einen ärztespezifischen Tarifvertrag wie mit den Ländern auch mit den Kommunen geben.

Der Tarifabschluss zwischen den kommunalen Arbeitgebern und ver.di gefährde zudem kleine Krankenhäuser auf dem Land. Die großen Kliniken der Städte hätten längst mit dem Marburger Bund abgeschlossen und zahlten gute Gehälter, während auf dem Land nun schlechte, mit ver.di vereinbarte Gehälter gezahlt würden. Als Folge würden viele Ärzte nicht mehr bereit sein, auf dem Land zu arbeiten, sagte der Gewerkschaftschef. Bei der Demonstration in Hannover kritisierte Henke den Abschluss mit ver.di und dbb Tarifunion vom Vortag. Die dabei angeblich mit den Arbeitgebern vereinbarte zehnprozentige Entgelterhöhung für Ärzte sei „geschummelt ohne Ende“, sagte er. In Wahrheit stiegen die gegenwärtig gezahlten Gehälter der Ärzte mit dem Abschluss keineswegs. „Wenn die tatsächlich ausbezahlen Gehälter um zehn Prozent erhöht werden, ist der Marburger Bund dabei“, sagte Henke. Der Abschluss bezeichnete er als ein autoritäres Diktat einer gewerkschaftlichen Einheitsorganisation, das man nicht hinnehmen werde: „Die Ärzte lassen sich weder beschummeln, noch stoppen oder entrechten.“

Kommentar

Es dürfte einen mächtigen Kater geben, wenn die plötzlich ach so kampstarke Marburger Ärzteschaft aus ihrem Streikrausch erwacht und ernüchtert, wieder im Vollbesitz der rechnerischen Fähigkeiten, das Ergebnis ihres Arbeitskampfes betrachtet. Die ritualisierten Schönrechnungen im Nachgang zu Tarifabschlüssen erzielen nur kurzzeitig Wirkung, wenn überhaupt. Um diese Erfahrung ist nun auch die Ärzteschaft der Unikliniken bereichert. Geschummelt wird nicht , auch nicht beim MB? Es wäre interessant, von Herrn Henke erklärt zu bekommen, wie er das meint, mit den nicht steigenden Einkommen durch den Tarifabschluss in den kommunalen Krankenhäusern. Dies und Weiteres werden wir aber sicher in den nächsten Tagen erfahren.

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