16. August 2006Forscher für mehr Wettbewerb bei Arzneimittelpreisen Wirtschaftsforscher haben mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums weit mehr Wettbewerb bei Arzneimitteln vorgeschlagen, als mit der anstehenden Reform geplant. Das am Dienstag in Berlin vorgestellte Gutachten des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung schlägt vor, dass Krankenkassen künftig Listen mit Arzneimitteln gleicher Wirkung aufstellen. Die Kassen würden demnach Mittel, die nicht auf diesen Positivlisten stehen, nicht mehr erstatten, sagte der Mannheimer Volkswirt Eberhard Wille. Eine Ministeriumssprecherin stellte klar, solche Positivlisten würden auf keinen Fall kommen. Längerfristig könne der Wettbewerb bei Kassen und Herstellern aber in die Richtung des 455-Seiten-Gutachtens gehen, sagte Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder. Das rund 200 000 Euro teure Gutachten im Ministeriumsauftrag werde nicht nur in die Ecke gestellt. Pharmafirmen sollen nach Vorstellung der Gutachter durch die von Kasse zu Kasse variierenden Positivlisten unter Druck gesetzt werden, kräftige Rabatte für ihre Präparate zu gewähren. Firmen wären dazu geneigt, wenn eine Kasse dafür andere Mittel derselben Wirkung nicht mehr erstattet, erläuterte Wille, der oberste gesundheitspolitische Regierungsberater. Das sind praktisch Preisverhandlungen. Der Duisburger Wirtschaftswissenschaftler Dieter Cassel sagte, so könne ein enormes Einsparpotenzial erschlossen werden. Heute gelten Festbeträge, also Höchstpreise, die die Kassen für einzelne Mittel bezahlen. Diese könnten dann abgeschafft werden. Dieses Mittel zur Kostendämpfung will das Ministerium aber keinesfalls vorschnell aus der Hand geben. Kassen und Apotheker sollen den Vorstellungen des Ministeriums zufolge nach der Gesundheitsreform verstärkt Rabattverhandlungen führen. Anders als von den Forschern vorgeschlagen sollen die Kassen aber Medikamente nicht selbst aus ihrem Leistungskatalog ausschließen dürfen. Dem Gutachten zufolge sollen Medikamente mit eindeutigem Zusatznutzen weiter von allen Kassen erstattet werden. Nach Angaben des Bremer Gesundheitsexperten Gerd Glaeske wurden 2005 durch teure Medikamente ohne Zusatznutzen 3 Milliarden Euro verschwendet.
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