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16. August 2006

Stahlkocher wollen 7 Prozent mehr

 

IG Metall beschließt Tarifforderung / Arbeitgeber weisen Ansinnen als maßlos zurück

 

Gestern präsentierte die IG Metall ihre Forderungen den Arbeitgebern für die Tarifrunde 2006: Für die rund 85 000 Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen will die Gewerkschaft eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 7 Prozent erreichen. Der Tarifvertrag soll wieder zwölf Monate laufen. Das hat die Tarifkommission der IG Metall beschlossen. In der Regel folgen die Stahlregionen in Ostdeutschland und im Saarland einem Abschluss im Nordwesten.

IG-Metall-Verhandlungsführer und NRW-Bezirksleiter Detlef Wetzel bezeichnete die Lohnforderung als „sehr angemessen“. „Sie passt zur gesamtwirtschaftlich guten Situation und besonders zu den herausragenden Ergebnissen in der Stahlindustrie mit derzeit guten Aussichten für das Jahr 2007.“ Der noch gültige Tarifvertrag in der nordwestdeutschen Stahlbranche läuft Ende August aus. In der Tarifrunde 2005 hatte die IG Metall 6,5 Prozent mehr Geld verlangt und zur Durchsetzung ihrer Forderung mit Streik gedroht. Der Abschluss lag schließlich bei 3,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 500 Euro.

Erwartungsgemäß fiel die Reaktion der Arbeitgeber am Dienstag aus: „Maßlos“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Stahl, Volker Becher, die Forderung der IG Metall. Die Gewerkschaft berücksichtige nicht, dass überhöhte Tarifabschlüsse als Kostenfaktor in die Zukunft wirkten, sagte Becher. Irgendwann werde es wieder einen Einbruch in der zyklischen Stahlbranche geben. Dann müssten die Unternehmen auf die Kostenbremse treten. Im Extremfall könne dies auch Personalabbau bedeuten. Die Arbeitgeber halten es für sinnvoller, die Stahlkocher „an der Sondersituation der Branche mit hohen Gewinnen“ durch Sonderzahlungen zu beteiligen. Weil die Vorstellungen so weit auseinander liegen, erwartet der Hauptgeschäftsführer „zähe Verhandlungen“ mit der IG Metall.

Das könnte auch für eine weitere Tarifforderung gelten, mit der die Gewerkschaft die Stahlarbeitgeber offensichtlich überrascht hat: Die IG Metall will in dieser Tarifrunde zudem einen Tarifvertrag abschließen, der längere Erwerbstätigkeiten, aber auch das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben ermöglicht, wie Verhandlungsführer Wetzel sagte. „Wir wollen Beschäftigungsperspektiven für die Jüngeren und Älteren erreichen.“ Die Stahlarbeitgeber sperren sich laut Becher nicht dagegen, wollen aber dieses „komplexe Thema“ nicht im Paket mit dem Gehaltstarifvertrag verhandeln. Die IG Metall wiederum will nach Angaben eines Sprechers einen solchen Tarifvertrag „nicht auf die lange Bank schieben“. Am 23. August wollen sich beide Seiten zur ersten Verhandlungsrunde treffen.

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