26. Oktober 2006Diakonie Präsident Kottnik:
Hartz IV als Armutsursache überbewertet Hannover (epd). Der neue Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik hält den Zusammenhang zwischen der Armut in Deutschland und der Arbeitsmarktreform Hartz IV für deutlich überbewertet.: "Die Probleme gab es schon vorher", sagte er in einem Interview der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe): "Das sind Probleme des Arbeitsmarktes." Den Begriff "Unterschicht" lehnte Kottnik ab. Gleichwohl begrüße er die Diskussion darüber. Wenn diese Diskussion am Ende etwas bringen solle, müsse jedoch die Sichtweise geändert werden, forderte Kottnik, der Mitte Oktober zum Präsidenten des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt wurde: "Bisher wurde die Debatte immer nur unter ökonomischen Gesichtspunkten geführt und benachteiligte Menschen nur als Kostgänger des Staates betrachtet. Dabei wurde nie beachtet, wie es den Menschen überhaupt geht." Kottnik plädierte dafür, Hilfsangebote für Menschen in Armut nach englischem Vorbild in zentralen Anlaufstellen zu bündeln: "Bei uns sind die Hilfsangebote zerstückelt in viele unterschiedliche Zuständigkeiten. Viele Leute kennen sich gar nicht damit aus, wo sie ihre Hilfe her bekommen sollen." In England seien oft Beratungsstellen für Familien an Kindergärten angeschlossen. Solche Anlaufstellen könnten auch freie Träger anbieten.
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