05. Januar 2007Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW ) für deutliche Lohnerhöhung!
 | | Berlin - Bei den kommenden Tarifrunden würde es der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft nicht schaden, wenn im Schnitt drei Prozent höhere Löhne und Gehälter vereinbart würden, sagte der DIW-Konjunkturexperte Alfred Steinherr. Die Ertragslage der meisten Betriebe habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Damit der private Konsum von 2008 an wieder zur tragenden Säule des Wirtschaftswachstums werden könne, seien höhere Löhne und mehr Arbeitsplätze nötig. | Da Inflation und Produktivität jeweils um rund 1,5 Prozent zugelegt hätten, halte man drei Prozent Lohnzuwachs für angemessen, sagte Steinherr, allerdings "nicht in jedem Bereich". Im öffentlichen Dienst hält das Berliner Institut geringere Zuschläge für angebracht. Lohnzuwächse von durchschnittlich bis zu drei Prozent verkrafte die Wirtschaft sehr gut, sagte auch DIW-Chef Klaus Zimmermann. Noch höhere Abschlüsse ließen aber "ein Abwürgen der Konjunktur" befürchten. Die IG Metall will mindestens fünf Prozent mehr Geld fordern. Die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Experten so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr rechnet das DIW mit 1,7 Prozent Wachstum, für 2008 mit 2,5 Prozent. Die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent zu Jahresbeginn werde "das positive Gesamtbild auf Dauer nicht stören", sagte Zimmermann. Träger des Wachstums bleibe der Export, der wegen der florierenden Weltwirtschaft weiter brummt. Davon soll auch der Arbeitsmarkt profitieren. 2008 erwartet das DIW erstmals wieder weniger als vier Millionen Erwerbslose, nach 4,5 Millionen im vorigen Jahr. Vor einem Jahr hatte das DIW nur ein Wachstum von 1,2 Prozent für 2007 und 1,7 Prozent für 2006 vorhergesagt. Tatsächlich aber legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voriges Jahr um geschätzte 2,3 Prozent zu, so die Forscher. Zudem rechnete das DIW vor einem Jahr nur mit einem "Zwischenhoch". Nun geht es trotz des etwas verlangsamten Wachstums der Weltwirtschaft, steigender Zinsen, einer Euro-Aufwertung und der erwarteten höheren Tarifabschlüsse von einem "kräftigen Aufschwung" aus. "Am Arbeitsmarkt nachsteuern" Als "entscheidenden Beitrag" für die Wende sieht das DIW die moderate Entwicklung der Effektivlöhne der vergangenen Jahre. So habe die Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und "einen soliden Grundstein für ein robustes Wachstum gelegt". Durch das unerwartet starke Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen höheren Steuereinnahmen werden nach Ansicht des DIW die laufenden Staatsdefizite stark sinken. Schon 2006 habe die Bundesrepublik mit 49 Milliarden Euro Neuverschuldung (2,1 Prozent des BIP) die EU-Kriterien (höchstens drei Prozent) deutlich erfüllt. 2007 rechnet DIW-Experte Dieter Vesper nur noch mit 28 Milliarden Euro neuen Schulden (1,2 Prozent), 2008 sogar nur noch mit 15 Milliarden (0,6 Prozent). Trotzdem müsse die Regierung am Reformkurs festhalten, fordert das DIW. Mehreinnahmen sollten zum Abbau der hohen Gesamtverschuldung genutzt werden. Zur Senkung der Lohnnebenkosten seien die Gesundheits- und Rentenreform nötig. Am Arbeitsmarkt rät Zimmermann dagegen von weiteren Experimenten ab. Vielmehr müsse bei den "im Prinzip richtigen Hartz-IV-Maßnahmen nachgesteuert werden". Thomas Wüpper, Frankfurter Rundschau 04.01.01
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