05. Januar 2007Kirchliche Sozialexperten kritisieren NiedriglöhneBremen (epd). Sozialexperten der Bremischen Evangelischen Kirche haben die zunehmende Zahl von Jobs mit Niedriglöhnen kritisiert. Immer mehr Erwerbstätige seien auf ergänzende Sozialleistungen durch den Staat angewiesen, sagte Jürgen Seippel vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in einem epd-Gespräch. Das habe auch der jüngste Armutsbericht der Arbeitnehmerkammer in Bremen gezeigt. »Die Betroffenen haben kein Auskommen mit dem Einkommen«, mahnte Seippel und kritisierte, das habe nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Im Land Bremen sind laut Arbeitnehmerkammer 12.000 von knapp 100.000 Leistungsempfängern trotz eines Jobs auf staatliche Finanzhilfen angewiesen. Bundesweit beziehen nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 900.000 Erwerbstätige ergänzende Sozialleistungen. In diesen Fällen werde die ganze Gesellschaft in die Pflicht genommen, weil Niedriglöhne gezahlt würden, kritisierte Seippel. »Da wirkt sich Armut auf Umwegen auf alle aus. Wir sagen aus kirchlicher Sicht: Einkommen muss auskömmlich sein. «Seippels Kollege Berndt Korten ergänzte, das Gleichgewicht zwischen einem enormen privaten Reichtum einerseits und der steigenden Armut andererseits müsse »neu balanciert werden«. Neben einem wachsenden Teil der Bevölkerung sei auch die öffentliche Hand von Armut betroffen. »Gerechtigkeit bedeutet in dieser Hinsicht privaten Reichtum stärker über Vermögens- und Erbschaftssteuergesellschaftlich in die Pflicht zu nehmen«, sagte Korten. »Dann könnte auch sehr viel mehr im öffentlichen Bereich finanziert werden.«
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