11. Mai 2009  | | Hannoversche Landessynode begrüßt Pläne für eine niedersächsische Kirche Käßmann: Ein Zusammenschluss bringt Vorteile Schaumburg-Lippe weist diese Pläne zurück |
Stadthagen/Hannover (epd). Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe hat die Pläne zur Bildung einer evangelischen Kirche in Niedersachsen zurückgewiesen. "Einen Weg zum Zusammenschluss der evangelischen Kirchen in Niedersachsen bereits jetzt zu beschreiten, halten wir für verfrüht und kontraproduktiv", heißt es in einem Votum, dass die Synode am Sonnabend in Stadthagen beschloss. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lägen keine belastbaren Daten dafür vor, dass ein Zusammenschluss notwendig sei. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe im nördlichen Landkreis Schaumburg ist mit rund 61.000 Mitgliedern in 22 Gemeinden nach Mitgliedern die zweitkleinste und nach der Fläche die kleinste evangelische Landeskirche in Deutschland. Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber hatte bei der niedersächsischen Konföderationssynode im März eine Diskussion über einen Zusammenschluss angeregt. Der 1971 gegründeten Konföderation gehören neben der schaumburg-lippischen Landeskirche auch die lutherischen Kirchen von Braunschweig, Hannover und Oldenburg sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer an. Bis zum 1. September soll jedes Kirchenparlament sein Votum zu Verhandlungen über einen Zusammenschluss abgeben. Danach will die Konföderationssynode einen Reformausschuss einsetzen. Die hannoversche Landeskirche, mit rund drei Millionen Mitgliedern die größte in Deutschland, hatte am Donnerstag einstimmig beschlossen, den Reformprozess zu unterstützen. Für die große Mehrheit der Kirchenmitglieder in Schaumburg-Lippe komme der Vorschlag überraschend, heißt es in dem Synodenbeschluss aus Stadthagen: "Das Starten des Prozesses birgt die Gefahr, dass er als von oben verordnet wahrgenommen und von den Menschen nicht mitgetragen wird." Die Synode begrüßte dagegen das Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit in der Konföderation. Der Reformausschuss solle deshalb eine Vorlage in diese Richtung erarbeiten. Die Synodalen aus Hannover dagegen hatten in ihrem Votum auf den Konföderationsvertrag verwiesen (siehe unten). Darin sei bereits die Absicht festgeschrieben, alle "Maßnahmen einzuleiten, die einer wirkungsvollen kirchlichen Ordnung und Gliederung in Niedersachsen dienen". Der Reformausschuss solle ein Konzept und einen Zeitplan erarbeiten. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hatte den Vorschlag Webers begrüßt. Ein Bündeln der Kräfte in schwierigen Zeiten sei sinnvoll. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers zwischen Ostfriesland und Göttingen umfasst etwa drei Viertel Niedersachsens. Der schaumburg-lippische Landesbischof Jürgen Johannesdotter betonte bei der Debatte in Stadthagen, auch in anderen Bundesländern seien kirchliche und politische Grenzen nicht deckungsgleich. Die regionalen Identitäten müssten sorgfältig beachtet werden. Gleichwohl habe sich die Zusammenarbeit innerhalb der Konföderation verbessert. Der Präsident des Landeskirchenamtes in Bückeburg, Sebastian Geisler, sagte dem epd, durch die regionale Verankerung fühlten sich die Menschen besonders gut bei der Kirche aufgehoben. Gleichwohl habe Schaumburg-Lippe ein großes Interesse daran, mit anderen Landeskirchen zusammenzuarbeiten. Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hatte Ende April in Emden zurückhaltend auf einen möglichen Zusammenschluss reagiert. Zunächst sollen die 142 reformierten Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu über eine mögliche Neuordnung der Kirchenlandschaft diskutieren. Das Ergebnis soll bis zum Frühjahr 2010 vorliegen. Die Synode der braunschweigischen Landeskirche hat die Diskussion am 15. Mai auf die Tagesordnung ihrer Beratungen in Goslar gesetzt. Die Synode der oldenburgischen Kirche diskutiert das Thema bei ihrer Tagung am 14. und 15. Mai in Rastede. Hannoversche Landessynode begrüßt Pläne für eine niedersächsische Kirche Käßmann: Ein Zusammenschluss bringt Vorteile Die hannoversche Landeskirche hat die Pläne zur Bildung einer evangelischen Kirche in Niedersachsen begrüßt. Ein möglicher Zusammenschluss der fünf Kirchen in dem Bundesland bringe organisatorische Vorteile, sagte Bischöfin Margot Käßmann am Freitag in Hannover vor Journalisten bei der Synode, dem Kirchenparlament. So entfielen langwierige Abstimmungsprozesse bei der Kirchensteuer, die von den Finanzämtern eingezogen wird. Zudem gebe es etwa im Harz Gemeinden, die auch mit einer halben Pfarrstelle nicht mehr zu besetzen seien: "Wenn wir uns zusammentun, ist mehr möglich."
Die Synode hatte zuvor einstimmig ein Votum beschlossen, nach dem die mit rund drei Millionen Mitgliedern größte Landeskirche in Deutschland den Reformprozess unterstützen will. Ein Reformausschuss der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen solle ein Konzept und einen Zeitplan erarbeiten. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers zwischen Ostfriesland und Göttingen umfasst etwa drei Viertel Niedersachsens. Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber hatte bei der Konföderationssynode im März eine Diskussion über einen Zusammenschluss angeregt. Der 1971 gegründeten Konföderation gehören neben der hannoverschen Landeskirche auch die lutherischen Kirchen von Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche an. Aus theologischer Sicht gebe es für einen Zusammenschluss keine Bedenken, sagte Käßmann. Allerdings hätten die kleineren Landeskirchen die Sorge, von Hannover vereinnahmt zu werden: "Da gibt es hohe Empfindsamkeiten und Ängste, die wir ernst nehmen müssen." Die Verhandlungen müssten auf Augenhöhe geführt werden. Die Kirchen in Niedersachsen seien wesentlich näher beieinander als etwa die Kirchen in Nordelbien, Mecklenburg und Pommern, die sich zu einer Nordkirche vereinigen wollen. Bis zum 1. September soll jedes Kirchenparlament in Niedersachsen sein Votum zu Verhandlungen über einen Zusammenschluss abgeben. Danach will die Konföderationssynode einen Reformausschuss einsetzen. Laut Käßmann ist ein Zusammenschluss auch mit weniger als fünf Kirchen möglich, wenn eine der Kirchen dem Vorschlag nicht folgt. Vor allem in der Diakonie, der Publizistik und der Pastorenausbildung sei ein gemeinsames Handeln der niedersächsischen Kirchen nötig. Synoden-Präsident Jürgen Schneider äußerte die Hoffnung, dass zum 40-jährigen Bestehen der Konföderation 2011 Klarheit über den zukünftigen Kurs herrsche. Die 75 hannoverschen Synodalen verwiesen in ihrem Votum auf den Konföderationsvertrag. Darin sei bereits die Absicht festgeschrieben, alle "Maßnahmen einzuleiten, die einer wirkungsvollen kirchlichen Ordnung und Gliederung in Niedersachsen dienen".
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