08. Juni 2008Diakonie: Ein-Euro-Jobs helfen in der Krise nicht weiter Düsseldorf (epd). Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe fordert angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise eine veränderte Arbeitsmarktpolitik. Die bisherige Konzentration auf die so genannten Ein-Euro-Jobs, bei der die betroffenen Menschen nach sechs Monaten wieder "in die freie Wildbahn des angeschlagenen Arbeitsmarktes" entlassen würden, sei kurzsichtig, kritisierte Sozialexperte Uwe Becker am Dienstag in Düsseldorf. Notwendig seien wesentlich längere und nachhaltigere Fördermaßnahmen. Auch angesichts der Zunahme von Kurzarbeit müsse die Arbeitsmarktpolitik breiter aufgestellt sein, unterstrich das Vorstandsmitglied der Diakonie RWL. Wenn dieses Instrument auslaufe, fielen in wenigen Monaten weitere Betroffene unter Hartz IV. "Zwei Millionen Ein-Euro-Jobber, das kann nicht die Perspektive sein", sagte Becker. Die Diakonie wisse, wovon sie rede, da allein in NRW mehr als 18.000 Menschen in Ein-Euro-Maßnahmen diakonischer Einrichtungen beschäftigt seien. Die Ein-Euro-Jobber bei der Diakonie bescheinigten dem Wohlfahrtsverband zwar eine gute Arbeit, erklärte der Diakonie-Chef und verwies auf eine Studie des Arbeitsmarktforschers Michael Wiedemeyer vom koelnInstitut iPEK. "Das ändert aber nichts daran, dass die Integrationserfolge unserer Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger jetzt innerhalb kürzester Zeit den Bach runter zu gehen drohen." Die von der Diakonie in Auftrag gegebene Befragung ehemaliger bei der Diakonie beschäftigter Ein-Euro-Jobber Studie hat den Angaben zufolge gezeigt, dass knapp ein Viertel der Betroffenen im Anschluss zwar eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden hat. Überwiegend habe es sich dabei aber um Teilzeitarbeit, einen Minijob oder Leiharbeit gehandelt. Gerade bei diesen instabilen und gering bezahlten Arbeitsstellen sei zu befürchten, dass sie in der Rezession als erstes wegfielen.
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