23. September 2009  | | Die Streik- und Aktionswoche hat mit Aktionen und Protesten in Freudenberg, Lübeck und in Südbaden begonnen Freudenberg: Dunkel gepunktet präsentierte sich gestern der Abendhimmel über Freudenberg. Schwarze Luftballons schwebten über der Innenstadt, angefeuert vom Applaus der rund 70 Demonstranten, die sich zuvor zur Schlusskundgebung an der Krottorfer Straße versammelt hatten. |
Zur Demonstration innerhalb der Kirchenaktionswoche in NRW aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Der Vorwurf der Gewerkschafter: Kirchliche Arbeitgeber nutzten den verfassungsrechtlichen Sonderstatus der Kirchen, um Löhne abzusenken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Betroffen seien Mitarbeiter diakonischer Einrichtungen, die nach AVR des Diakonischen Werks der EKD bezahlt würden, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kirchlicher Kindergärten, Krankenhäuser, der Behindertenhilfe sowie der Diakonie, für die der BAT kirchliche Fassung gelte. Es gibt kein einheitliches Tarifwerk, sondern nur viele unterschiedliche Vereinbarungen, erklärte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Boller-Winkel gegenüber der SZ. Der von den kirchlichen Arbeitgebern propagierte dritte Weg sehe keine Tarifverhandlungen vor, sondern nur Gespräche in einer arbeitsrechtlichen Kommission zwischen Arbeitegbern und Arbeitnehmern. Er sei nicht praktikabel und akzeptabel, denn, so formulierte es später Harald Afholderbach vom Kredenbacher Krankenhaus: Die kirchlichen Arbeitgeber wollen den Sonderstatus als Wettbewerbsvorteil missbrauchen. Das sahen auch die Demonstranten an ihrer ersten Station (ev. Jugendhilfe Friedenshort) so. Dort hing ein Transparent am geschlossenen Tor: Kein Arbeitskampf unter dem Kreuz, stand in großen Lettern darauf, dies schließe der dritte Weg aus. Wir kämpfen für eine Lohnerhöhung von mindestens 8 Prozent, verkündete Friedenshort-Mitarbeiter Sebastian Kenn. Die Arbeitgeber hätten den dritten Weg zudem selbst verlassen, denn jahrelang habe es keine Gehaltserhöhungen gegeben, die Nachzahlung für die Gehaltsrunde 2004 kam 2007, und in der gegenwärtigen Lohnrunde werde man hingehalten. Am Mittwoch wollen die Gewerkschafter im Friedenshort von 6 bis 22 Uhr einen Warnstreik organisieren, ab 9 Uhr folgt in der Weidenauer Bismarckhalle eine Streikversammlung. Kritik auch vor dem diakonischen Altenzentrum Freudenberg, der nächsten Station: Pflege brauche eine bedarfsgerechte Arbeitsausstattung und eine soziale Anerkennung, um die Bezahlung attraktiver zu machen, betonte Afholderbach. Wenige Meter weiter dann Station drei: das Bethesda-Krankenhaus. Dort forderte Ilona Winschel als Mitarbeiterin die Gleichstellung der Arbeitnehmer mit dem öffentlichen Dienst, denn unsere Leistung ist die gleiche. Es kann nicht sein, dass wir unter schlechteren Bedingungen arbeiten. Nahe der Freudenberger Stadtkirche dann machte Mechthild Boller-Winkel auf die Situation der kirchlich beschäftigten Erzieherinnen aufmerksam. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, forderte auch sie unter dem Applaus der Zuhörer. Bericht Siegener Zeitung vom 22.09.2009
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