18. Februar 2010  | | Metall-Tarifverhandlung:
Einigung im Rekordtempo |
DÜSSELDORF. In Rekordtempo haben Arbeitgeber und IG Metall ein Tarifpaket für die Metall- und Elektroindustrie geschnürt. Der Pilotabschluss für die 700 000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen enthält Regelungen zum Joberhalt und eine Lohnsteigerung von 2,7 Prozent im kommenden Jahr. Diese Einigung übernahmen auch die Metall-Tarifparteien in Baden-Württemberg, die für 740 000 Beschäftigte verhandelten. Zumindest an einem Ritual hielten Arbeitgeber und Gewerkschaft fest: Es musste ein Verhandlungsmarathon werden, der an die Schmerzgrenze ging. Doch nach 15 Stunden war der Abschluss für die 700 000 Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens unter Dach und Fach und damit auch der Pilotabschluss für die gesamte deutsche Metallbranche mit 3,4 Millionen Beschäftigten. Im Eiltempo kamen Arbeitgeber und Gewerkschaften schon in der zweiten Tarifrunde zu einem Ergebnis. Pressemitteilung der IG Metall: Metall und Elektro: Tarifabschluss in NRW erzielt Arbeitsplätze und höhere Entgelte gesichert Nach mehrstündigen Verhandlungen haben sich IG Metall und Arbeitgeber auf einen Pilotabschluss in Düsseldorf geeinigt. Der neue Tarifvertrag "Zukunft in Arbeit" schützt die 700 000 Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche in Nordrhein-Westfalen vor betriebsbedingten Kündigungen und verbessert die Übernahme der Ausgebildeten. Darüber hinaus einigten sich die Tarifpartner auf eine Entgelterhöhung. Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, bewertete das Tarifergebnis als "gutes Ergebnis". Mit den gefundenen Instrumenten könne Beschäftigung über die Krise gesichert werden. Was sei innovativer, als Beschäftigung zu sichern in der größten Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren, betonte Huber. Die Entgelterhöhungen sicherten Reallöhne und zeigten, dass eine "faire Lastenteilung" gefunden worden sei. Zu dieser fairen Lastenverteilung müsse noch ein Dritter, die Politik, hinzutreten. "Damit diese Instrumente wirklich gängig werden, muss der Gesetzgeber mithelfen", sagte der Gewerkschafter. Tarifvertrag "Zukunft in Arbeit" Der neue Tarifvertrag "Zukunft in Arbeit" soll in Betrieben greifen, die seit mindestens zwölf Monaten kurzarbeiten. Hier schützt der Tarifvertrag für zwölf Monate vor betriebsbedingten Kündigungen. In der ersten Phase der neuen tariflichen Kurzarbeit von mindestens sechs Monaten wird das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezwölftelt und dem monatlichen Einkommen hinzugerechnet. Dadurch steigt das Kurzarbeitergeld. Gleichzeitig mindern sich Kurzarbeitskosten für den Arbeitgeber. Er muss bei Kurzarbeit nur noch anteiliges Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die geleistete Arbeitszeit zahlen. In einer zweiten Phase von weiteren sechs Monaten kann die Arbeitszeit mit einem Teilentgeltausgleich abgesenkt werden. Die wöchentliche Arbeitszeit kann von 35 auf 28 Stunden reduziert werden. Bereits ab der 31. Stunde gibt es einen teilweisen Entgeltausgleich. Bei 28 Stunden Arbeitszeit sind 29,5 Stunden zu bezahlen. Erhöhung der Entgelte in zwei Komponenten Die Entgelte erhöhen sich wie folgt: Für Mai 2010 bis März 2011 gibt es eine Einmalzahlung von 320 Euro. Auszubildende erhalten 120 Euro. Die Auszahlung wird in zwei Teilbeträgen jeweils zum 1. Mai 2010 und zum 1. Dezember 2010 erfolgen. Zum 1. April 2011 erhöhen sich die Entgelte um 2,7 Prozent. Diese Erhöhrung kann zwei Monate vorgezogen oder um zwei Monate nach hinten verschoben werden. Der Entgelttarifvertrag hat eine Laufzeit von 23 Monaten bis zum 31. März 2012. Übernahme der Ausgebildeten Die Übernahme der Ausgebildeten wurde verbessert. Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall in NRW erklärte dazu: "Mit unserer Vereinbarung zur Übernahme schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass jede und jeder Ausgebildete die 12- Monatschance erhält. Wir haben den bisherigen Übernahmeanspruch deutlich klarer gefasst und verbindlicher gemacht." Tarifvertrag "Zukunft in Bildung" Neu ist ebenfalls ein Tarifvertrag "Zukunft in Bildung". Damit entsteht ein verbindlicher Rahmen für die neue Qualifizierungsteilzeit. Ähnlich wie bei der Altersteilzeit ist es künftig möglich, geblockte Qualifizierungszeiten zu nutzen - unter Fortzahlung der Bezüge und mit Arbeitsphasen verbunden. Zwei Jahre mit zwei Dritteln des Entgelts zu arbeiten, macht es möglich, ein Jahr beispielsweise zur Meisterschule zu gehen oder sich zur Fremdsprachenkorrespondentin weiterzubilden und in dieser Zeit weiterhin ein Einkommen zu haben. Künftig erhalten Auszubildende die Chance, einmal während ihrer Ausbildungszeit an einer Qualifizierungswoche zu verschiedenen Themen teilzunehmen. Oliver Burkhard: "Wir wollten ein Job-Paket, wir haben es erreicht. Wir wollten mehr Geld. Auch das haben wir erreicht. Mit Einmalzahlung und ordentlicher Prozenterhöhung sichern wir Einkommen. Wir wollten Beschäftigungssicherung, wir haben sie bekommen. Mit unserem neuen Modell ist klar: In dieser Krise muss niemand gekündigt werden." Die IG Metall-Tarifkommission hat dem Tarifergebnis mittlerweile positiv zugestimmt. Weitere Details der Tarifeinigung >> hier
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