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04. März 2010

 

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Bruttolöhne sinken erstmals seit 1949


Tariferhöhungen werden von Kurzarbeit und Öffnungsklauseln aufgefressen

 

In der Rezession sind die Bruttoverdienste in Deutschland erstmals seit Gründung der Bundesrepublik gesunken. Arbeitnehmer verdienten im vergangenen Jahr vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben durchschnittlich 27 648 Euro. Das waren 0,4 Prozent weniger als 2008, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt gab.

Hauptgrund für den ersten Pro-Kopf-Rückgang seit 1949 waren der Anstieg der Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden. Besonders stark traf es Beschäftigte in der Industrie, die ein Minus von 3,6 Prozent hinnehmen mussten. Die Firmen bekamen die verstärkte Kurzarbeit und die Produktionseinbrüche deutlich zu spüren und litten unter dem stärksten Anstieg der Lohnstückkosten seit dem Jahr 1992. „Das sind erkleckliche reale Einkommenseinbußen, wenn man noch die Inflation von 0,4 Prozent abzieht“, sagte der Tarifexperte des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts, Reinhard Bispinck. Im Rezessionsjahr seien die vereinbarten Tarifsteigerungen bei vielen Beschäftigten nicht eins zu eins angekommen. „Für dieses Jahr gibt es keine große Chance auf Besserung.“ Die jüngsten Tarifabschlüsse für die Metallbranche und den öffentlichen Dienst deckten 2010 voraussichtlich nur die Inflationsrate von rund einem Prozent ab.

Im Jahr 2009 waren die von Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelten Tarifgehälter in den meisten Branchen zwischen zwei und vier Prozent gestiegen. Da jedoch viele Menschen weniger arbeiteten als in den Vorjahren und zudem zahlreiche krisengeschüttelte Unternehmen tarifliche Öffnungsklauseln nutzten, stand unter dem Strich für etliche Arbeitnehmer ein Minus. „Die Frage ist: Woher sollen dann die Impulse für Konjunkturerholung kommen?“, betonte Bispinck. Vom Privatkonsum sei wohl nichts zu erwarten. Insgesamt erwartet der Fachmann für dieses Jahr Tarifsteigerungen zwischen ein und zwei Prozent. „2010 wird für die Einkommensentwicklung nicht eines der besten Jahre.“

Die durchschnittlichen Bruttoverdienste sind definiert als Bruttolohn oder -gehalt je Arbeitnehmer. Bei der Berechnung summieren die Statistiker die Verdienste aller Arbeitnehmer – von geringfügig Beschäftigten über Beamte bis hin zu Vorstandsmitgliedern. Auch Zulagen und Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden berücksichtigt. Besonders stark vom Rückgang betroffen waren nach Angaben der Statistiker die Verdienste in der verarbeitenden Industrie. Dort seien die Löhne je Arbeitnehmer um 3,6 Prozent gesunken. Bei den öffentlichen und privaten Dienstleistungen hingegen konnten die Arbeitnehmer brutto einen Lohnzuwachs von 2,6 Prozent verzeichnen.

Die Nettolöhne und -gehälter der deutschen Arbeitnehmer sanken im Jahr 2009 um 0,9 Prozent. Dies hatte das Statistische Bundesamt schon vor wenigen Wochen mitgeteilt. Nach Steuern und Abgaben sind die Verdienste der Deutschen demnach schon seit Jahren unter Druck. 2008 etwa lagen die Nettobezüge 0,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, 2007 war es ein Minus von 0,5 Prozent, 2006 sogar ein Rückgang von 1,3 Prozent gewesen.
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