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08. März 2010

 

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100. Weltfrauentag - DGB fordert gleiche Löhne

EU will Frauen zu gleichem Lohn verhelfen

Kluft in Deutschland mit am größten


Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat anlässlich des 100. Weltfrauentags „einen klaren gesetzlichen Rahmen“ verlangt, um gleichen Lohn für Mann und Frau in absehbarer Zeit zu realisieren.

 Die Bundesregierung hat es bislang bei bloßen Appellen und unverbindlichen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern belassen", kritisierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Sonntag in Berlin.

Andere Länder wie Frankreich und Kanada hätten längst politische Schritte für eine faire Bezahlung von Frauen eingeleitet. Der Weltfrauentag an diesem Montag wird seit 1911 begangen.

Deutschland gehört EU-weit zu den Ländern mit dem größten Unterschied bei der Bezahlung von Frauen und Männern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden verdienten Frauen 2008 in Deutschland fast ein Viertel (23,8 Prozent) brutto weniger als Männer (siehe unten).

"Auch wenn es vereinzelt Fortschritte gibt, der Nachholbedarf für Frauen bleibt enorm", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane. Besonders im Bereich personenbezogener Dienstleistungen seien überwiegend Frauen und das häufig in Teilzeit oder zu sehr niedrigen Löhnen beschäftigt. Nur 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen seien weiblich. Die CDU-Frauenunion verlangte gesetzliche Regelungen zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft.

"Trotz vermeintlicher Gleichberechtigung gibt es noch immer keine Gleichbehandlung", kritisierte auch Judith Conrads, Vorstandsmitglied der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in einem dpa-Gespräch. In Politik und Wirtschaft seien Frauen schon allein von der Anzahl her den Männern unterlegen. "Hier kann eine Quotenregelung sinnvoll sein - als Zwischenschritt, damit Frauen sich überhaupt erst mal einbringen können", meinte Conrads.

Dagegen ist die Kinderbetreuung in Kindergärten und -krippen noch immer Frauensache. Bundesweit arbeiteten im März 2009 etwa 354 000 Erzieherinnen - aber nur rund 11 500 Erzieher. Angesichts veränderter Familiensituation mit vielen alleinerziehenden Müttern würden aber männliche Betreuer immer wichtiger, sagte Jürgen Schwochow, Geschäftsführer des Verbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, in einem dpa-Gespräch.

Verstärkte Anstrengungen forderte die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), um mehr Frauen aus Zuwandererfamilien den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. "Chancengleichheit darf nicht nur auf dem Papier stehen. Wir brauchen eine Offensive für eine wirkliche gleichberechtigte Teilhabe. Besonders wichtig ist es, mehr Migrantinnen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu bieten - auch in Führungspositionen", forderte Böhmer am Sonntag.

Beste Beschäftigungschancen haben Frauen nach Angaben von Gesamtmetall in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen der Metall- und Elektro-Industrie. Der Arbeitgeberverband appellierte an junge Frauen, die Scheu vor der Technik zu überwinden. Mehr als die Hälfte aller Mädchen beschränke sich bei der Berufswahl auf zehn Ausbildungsberufe, unter denen sich aber kein naturwissenschaftlicher oder technischer Beruf finde.

Besonders stark ist das vermeintlich schwache Geschlecht am Steuer. Frauen verursachen einer Studie des Auto Clubs Europa (ACE) zufolge deutlich weniger Unfälle mit Verletzten als Männer. Laut Flensburger Verkehrszentralregister waren im Dezember 2008 nur 21,7 Prozent der erfassten Verkehrssünder weiblich.

 

EU will Frauen zu gleichem Lohn verhelfen

Kluft in Deutschland mit am größten

Brüssel/Wiesbaden/Genf (dpa). Die EU-Kommission will berufstätigen Frauen in Europa zum gleichen Lohn verhelfen wie den Männern. Notfalls sollen Unternehmen mit Strafgeldern dazu gezwungen werden. Das kündigte EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Freitag in Brüssel an. Im Schnitt verdienten Frauen fast ein Fünftel (18 Prozent) weniger als ihre männlichen Kollegen. Dieser Unterschied sei in den vergangenen 15 Jahren kaum geschrumpft, sondern im Gegenteil in einigen Ländern noch gewachsen. „Gleichberechtigung ist kein Luxus, sondern stärkt die Wirtschaftskraft“, sagte Reding. Wenn gut ausgebildete Frauen nur in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Jobs arbeiteten, gehe Produktivität verloren. Deutschland gehört in der EU zu den Ländern mit dem größten Unterschied bei der Bezahlung von Frauen und Männern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden verdienten Frauen 2008 in Deutschland brutto fast ein Viertel (23,8 Prozent) weniger als Männer. Die Zahlen beziehen sich auf die Verdienste aller Frauen und Männer unabhängig von Beruf und Position. Sie spiegeln wider, dass Frauen häufiger schlechter bezahlte Jobs annehmen oder Teilzeit arbeiten. Aussagen zum Verdienst-Unterschied bei gleichem Beruf und vergleichbarer Tätigkeit sind dagegen nicht möglich. Nach Angaben der Statistiker lag das durchschnittliche Bruttogehalt von Frauen 2008 bei 14,51 Euro pro Stunde, bei Männern bei 18,90 Euro. In den 27 EULändern mussten die Frauen nur in Estland (30,3 Prozent, Zahl von 2007), Tschechien (26,2 Prozent), Österreich (25,5 Prozent) und den Niederlanden (23,6 Prozent) noch größere Verdienstunterschiede hinnehmen. Die geringste Lohnkluft hat Italien mit 4,9 Prozent.
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