21. Januar 2011
 | | ag-mav Niedersachsen agmav Vollversammlung eröffnet Tarifrunde 2011 |
Die Teilnahme an der Vollversammlung der agmav-Niedersachsen am 20. Januar 2011 war so groß, dass die vorhandenen Plätze nicht für alle angereisten MitarbeitervertreterInnen ausreichten. So begann die Veranstaltung mit leichter zeitlicher Verzögerung, nachdem weitere Stühle gestellt waren. Inhaltlicher Schwerpunkt der Beratungen war die Auswertung der aktuellen MitarbeiterInnenbefragung und die Diskussion und der Beschluss der daraus entwickelten Tarifforderung.
Die Ergebnisse der Tarifbefragung wurden von der im ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen für den Kirchenbereich zuständigen Sekretärin Anette Klausing vorgetragen. Ihr Resümee: "Die Befragung war trotz der widrigen Umstände ein voller Erfolg". Die Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen an der Befragung war enorm. Der Rücklauf betrug in den Einrichtungen zwischen 30 Prozent und mehr als 60 Prozent Insgesamt wurde ein Rücklauf von nahezu einem Drittel, (30 Prozent) erreicht. Das ist bemerkenswert und bestärkt die Aussagekraft der Ergebnisse.
Die Quintessenz der Auswertung ist unmissverständlich: Die in der Diakonie Beschäftigten wollen eine eindeutige Einkommensverbesserung, ihnen ist aber eben auch eine Verbesserung ihrer teilweise äußerst belastenden Arbeitsbedingungen wichtig. Insofern ergab die Befragung deutlichen Aufschluss über die Erwartungen der Kolleginnen und Kollegen an die bevorstehende Verhandlungsrunde.
Doch auch in einem weiteren Punkt haben die Kolleginnen und Kollegen ein deutliches Votum abgegeben. Wurde bisweilen der Ruf nach Tarifverträgen als eine Forderung der "Funktionärsebene", also der Mitarbeitervertreter und der ag-mav abgetan, die jedoch von der Mitarbeiterschaft nicht mitgetragen wird, ist nun das Gegenteil deutlich unter Beweis gestellt.
Die Unzulänglichkeiten des 3. Weges werden von den Kolleginnen und Kollegen nicht länger akzeptiert. Die Forderung, die Arbeitsrechtsregelung zukünftig über einen Tarifvertrag zu gestalten, wird von 91 Prozent der Befragten unterstützt. Dies sollte auch dem letzten Zweifler auf der Arbeitgeberseite zu denken geben.
Basierend auf den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung hatte bereits am Vortag die ver.di Tarifkommission die Tarifforderung aufgestellt:
Abschluss eines Tarifvertrages auf Basis der bestehenden AVR-K
Erhöhung der Entgelte um 5 %
Verbesserung der Arbeitsbedingungen
Bedingungen für Teilzeitbeschäftigte verbessern
Bessere Bezahlung der Nachtarbeit
Verteuerung des Holen aus dem "Frei"
Neue Altersteilzeitregelung
Angleichung der AVR-K Ost an das Westniveau
Tarifierung der Ausbildungsvergütung in der Altenpflege
Diese Tarifforderung wurde von der ag-mav Vollversammlung einstimmig bestätigt. Damit wird sie nun als Antrag der Arbeitnehmerseite in der ARK Nds. eingebracht. Nach dem Grundsatzbeschluss des letzten Jahres zur Überwindung des 3. Weges und der Beauftragung des ag-mav Vorstandes, Verhandlungen zur Gestaltung des Übergangs aufzunehmen, wurde nun ein weiterer konsequenter Schritt in Richtung Tarifvertrag Diakonie vollzogen. Die Legitimation wurde durch die basisdemokratische Entscheidung mit der Befragung der MitarbeiterInnen deutlich gestärkt.
Am 09. Februar beginnen die Verhandlungen in der Arbeitsrechtlichen Kommission. Zum Verlauf und den Aussichten auf einen zügigen Abschluss sind keine seriösen Einschätzungen möglich. Doch ein Weiteres ist, wie es sich schon in den letzten Entgeltrunden andeutete, offensichtlich deutlich geworden: Die MitarbeiterInnen meinen es ernst und sie sind auch bereit, die Forderungen "aktiv" zu unterstützen.
Bericht der "Rotenburger Kreiszeitung" vom 21.01.2011