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06. Januar 2012


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Hans Mencke, Geschäftsführer der Ev. Altenhilfe Lilienthal

 

Altenhilfe Lilienthal verlässt Diakonie


Die Diakonische Altenhilfe in Lilienthal gehört künftig nicht mehr dem Dachverband des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche an. Grund für die Trennung: Die Einrichtung verstößt seit Jahren gegen geltendes Kirchenrecht, weil sie etwa 80 Prozent der 360 Mitarbeiter unter Kirchentarif bezahlt. Den Mitarbeitern sollen neue Arbeitsverträge zu den bisherigen Konditionen angeboten werden. Um Personalkosten zu sparen hatte die Altenhilfe Lilienthal schon vor Jahren die Leiharbeitsfirma Dialogistik gegründet. In ihr sind 80 Prozent der 360 Altenhilfe-Mitarbeiter beschäftigt. Sie werden etwa 20 Prozent unter dem geltenden Kirchentarif bezahlt.

Geschäftsführer Hans Mencke hatte in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus gemacht, dass die Altenhilfe an ihren fünf Standorten in Lilienthal, Ritterhude, Osterholz-Scharmbeck, Hemmoor und Ihlienworth gegen geltendes Kirchenrecht verstößt. Mencke hatte auch eingeräumt, dass diese Art der Beschäftigung dem Image der Diakonie schade.

Nach Angaben von Mencke werden auch bei der Leiharbeitsfirma Dialogistik "marktgerechte Löhne" gezahlt. Doch es wäre besser gewesen, "wenn wir es anders gemacht hätten". Zu dem im Vergleich mit anderen Diakonie-Betrieben hohen Anteil an Leiharbeitern hatte Mencke gesagt, dass in den anderen Einrichtungen im Einvernehmen mit den Mitarbeitern Haustarife unter dem Kirchentarif vereinbart worden seien. "Wir haben, um Kosten zu sparen, die schon 1994 gegründete Dialogistik genutzt." Für die Mitarbeiter in der Lilienthaler Altenhilfe wird sich nach Angaben von Mencke nichts ändern, "abgesehen davon, dass wir den Namen ändern müssen". Man werde die Leiharbeitsfirma auflösen und allen Mitarbeitern neue Verträge zu den bisherigen Konditionen anbieten. Der Betriebsrat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Als Mencke 2004 die Geschäftsführung der Altenhilfe übernahm, fand er eine Einrichtung in "wirtschaftlicher Schieflage" vor. "Einen Konkurs konnten wir nur verhindern, weil die Mitarbeiter freiwillig auf Leistungen verzichteten und wir Neueinstellungen nur noch über die Dialogistik vorgenommen haben." An den Rahmenbedingungen habe sich nichts geändert. Natürlich mache es keinen Spaß, weniger zu zahlen als den Kirchentarif. Vor allem deshalb nicht, weil die Mitarbeiter "hervorragende Arbeit" leisteten, was sich auch in der Benotung der Einrichtung widerspiegele. Der Bereich Altenpflege werde aber leider von den Pflegekassen nun einmal so finanziert, dass die Kostensteigerungen seit dem Jahr 2000 nicht mehr berücksichtigt würden. Das sei das eigentliche Problem.

So sieht das auch Superintendentin Jutta Rühlemann (Kirchenkreis Osterholz). Sie ist Vorsitzende im "Verein evangelisches Hospital". Zu dem gehört neben der Diakonischen Behindertenhilfe noch die Diakonische Altenhilfe und ursprünglich auch das Martinskrankenhaus, das 2008 in die Insolvenz ging und 2009 von der Bremer Residenz-Gruppe übernommen wurde. Grundsätzlich sei eine bessere Bezahlung des Personals notwendig, sagt Jutta Rühlemann. Die Gesellschaft müsse sich die Frage stellen, was ihr die Altenpflege künftig wert sei. Schon jetzt gebe es Einrichtungen, die kein Personal mehr fänden - eben wegen der schlechten Bezahlung.

In der Behindertenpflege ist nach Angaben von Hans Mencke eine bessere Bezahlung möglich. "Den Kirchentarif können wir hier aber auch nur deshalb zahlen, weil die jährlichen Kostensteigerungen von den Kostenträgern berücksichtigt werden - anders als im Bereich der Altenpflege", sagt Mencke, der auch Geschäftsführer der Diakonischen Behindertenhilfe ist.

Jörg Antoine, stellvertretender Direktor des Diakonischen Werkes der Landeskirche Hannover: "Diese bittere Entscheidung der Lilienthaler Geschäftsführung zeigt, dass man nur die Alternative Privatisierung oder Insolvenz gesehen hat." Im Interesse der Bewohner habe man sich für die Fortführung der Einrichtung unter Verzicht auf die Mitgliedschaft in der Diakonie entschieden. Diese Entscheidung zeige einmal mehr, wie schwierig die Entgeltsituation in der Altenhilfe gegenwärtig sei. Sie werde auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen.

Bericht PETER HANUSCHKE  Weserkurier,06.01.2012

 
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