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30. August 2007

 


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IG Metall Vize und Bischof Huber zu Niedriglohn-Jobs

Bischof Wolfgang Huber:

"Arbeit ist nur dann sozial, wenn sie angemessen gewürdigt und entlohnt wird"

 

Die Schaffung von Niedriglohn-Jobs im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bleibt zwischen Gewerkschaften, Kirchen und Unionsparteien umstritten. Die Ausweitung des Entsendegesetzes auf die Postbranche, auf die sich der Koalitionsgipfel in der vergangenen Woche verständigt hat, sei nur ein erster Erfolg, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, in einem epd-Interview: "Es ist ein Skandal, wenn in einem der reichsten Länder der Welt Menschen für drei Euro die Stunde arbeiten müssen."

Kritisch äußerte sich auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber: Wer qualitative Mindeststandards missachte, biete "keine ernstzunehmende Alternative zur Ohnmacht der Arbeitslosigkeit", sagte der Berliner Bischof. Dagegen sagte der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) dem epd, Arbeitgeber müssten zum Angebot von Niedriglohnjobs in "größerem Stil" ermutigt werden.

IG-Metall-Vize Berthold Huber befürwortete "tariflich geregelte, verbindliche Mindestlöhne". Wenn tarifvertragliche Regelungen nicht griffen, sei eine gesetzliche Regelung gefragt. Klar auf Distanz ging der Gewerkschaftsfunktionär zu der Formel "Sozial ist, was Arbeit schafft". Dieses Motto sei zu häufig genutzt worden, um Sozialabbau und neue Zumutungen zu rechtfertigen.

Für Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber bleibt dagegen die Formel "Sozial ist, was Arbeit schafft" die "oberste Richtschnur unseres politischen Handelns". Zur Beseitigung von Einstellungsbarrieren müssten das Arbeitsrecht gelockert und eine produktivitätsgerechte Entlohnung zugelassen werden. Der CSU-Politiker, der für die Nachfolge von Parteichef Edmund Stoiber kandidiert, brachte erneut eine wirksamere Vermögensbildung für Arbeitnehmer ins Gespräch.

Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber sagte, Arbeit sei nur dann sozial, wenn sie angemessen gewürdigt und entlohnt werde. Zu einer menschenwürdigen Gestaltung von Arbeit gehöre auch die Übernahme von Eigenverantwortung und Raum für Freizeit. Im Hinblick auf die bisherigen Änderungen im Sozialsystem unterstrich der Berliner Bischof: "Die Reform eines Sozialstaates ist kein Puzzle."

Der Spitzenrepräsentant der rund 25 Millionen evangelischen Christen in Deutschland warnte vor erheblichen Gefahren, da sich die Schere zwischen Arm und Reich trotz des aktuellen wirtschaftlichen Aufschwungs weiter öffne. Er plädierte für ein Steuersystem, "das alle Einkunftsarten erfasst, nach Leistungsfähigkeit besteuert und transparent ist."

 
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