17. Oktober 2007  | | Ein Vordenker des Protestantismus geht Präsident von Vietinghoff tritt vorzeitig in den Ruhestand Die Nachricht traf die evangelische Kirche wie ein Paukenschlag: Einer der Vordenker des Protestantismus, Eckhart von Vietinghoff, geht vorzeitig in den Ruhestand. Der Jurist, der als Präsident seit 1984 das Kirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers leitet, lässt sich zum 30. April 2008 pensionieren. |
Von Vietinghoff stellte am Mittwoch, anderthalb Wochen nach seinem 63. Geburtstag, einen entsprechenden Antrag, dem der Kirchensenat in Hannover zustimmte. Als Kirchenbeamter kann er mit Vollendung des 63. Lebensjahres jederzeit ohne Angabe von Gründen in Pension gehen. Von Vietinghoff gilt als eine der einflussreichsten Personen in der Kirche. Zwölf Jahre gehörte er dem obersten Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland an, dem Rat der EKD. In einem offenen Brief schrieb er am Mittwoch seinen Mitarbeitern, dass die Reformen der Landeskirche auf einem guten Weg seien. Deshalb sei das Frühjahr 2008 ein sinnvoller Zeitpunkt für den ohnehin anstehenden Leitungswechsel: "Ich selber werde dann mit meiner Zeit und meinen Kräften etwas verträglicher umgehen können."
Der Kirchensenat würdigte den Präsidenten in seiner Erklärung als "prägende Persönlichkeit der Landeskirche und der EKD". Von Vietinghoff war als Verhandler, Vermittler und Vordenker stets gefragt, wenn Probleme unlösbar schienen. In einem Interview brachte er es auf die Formel: "Raus gehen, sich dem Wind stellen, Neues versuchen, Mut zum Risiko und zum Irrtum."
Er war es, der nach der deutschen Einheit die ost- und westdeutschen Kirchen in ihrem langen, erbitterten Streit um die Militärseelsorge zu einem Konsens führte. Unter seinem Vorsitz wurde das kirchliche Medien-Engagement im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik reformiert.
Selbst die komplexen Strukturen des Protestantismus waren für ihn kein Tabu. Er schlug vor, die konfessionellen Verbände unter dem Dach der EKD zu vereinigen. "Unfrisierte Gedanken" nannte von Vietinghoff seine Denkschrift für mehr Profil der Kirche und für eine stärkere EKD. Er brachte damit zunächst weite Teile des eigenen, lutherischen Lagers gegen sich auf, stieß aber letztlich auf große Zustimmung in den 23 Landeskirchen.
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