06. November 2007  | | 10. Synode der EKD in Dresden Die EKD drosselt Reformtempo |
Vielen Synodalen ist das Reformtempo des Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zu hoch. Das Impulspapier war wichtig, es hat uns Aufmerksamkeit beschert und auch für viel Furore gesorgt, sagt der Theologe Peter Bukowski am Rande der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Jetzt gehe es um gründliche theologische Nacharbeit. Theologie kommt meistens ins Spiel, wenn man über konkrete Veränderungen nur andeutungsweise reden will. Tatsächlich wird über das, was im Impulspapier des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber noch vor eineinhalb Jahren Aufregung auslöste, im Kirchenparlament des deutschen Protestantismus nicht mehr gestritten. Befriedung durch ausgefeilte Betrachtungen ist angesagt. Da können Finanzzahlen nur stören.
So ist von Hubers Vorschlag, angesichts von schrumpfenden Kirchenmitgliederzahlen (von derzeit 23 Millionen auf 17 Millionen im Jahr 2030) die Zahl der Landeskirchen von 23 auf langfristig die Hälfte zu verringern, nicht mehr die Rede. Die provozierenden Zahlen sind weitgehend vom Tisch, diagnostizierte der Bonner Theologieprofessor Eberhard Hauschildt. Der hatte in Dresden im Hauptvortrag die Frage zu klären, was es heute bedeutet, evangelisch zu sein. Hauschildt verglich die Kirche in ihrem Bemühen, die Institution irgendwie zu erhalten, aber organisatorisch zu modernisieren, mit einem Hybrid-Motor. Während es allerdings bei Toyota heiße, dass alles möglich sei, so gelte das noch längst nicht bei der EKD. Die Mehrzahl der Synodalen fühlte sich ohnehin vom Reformeifer des EKD-Ratsvorsitzenden Huber etwas überfahren. Erst interne Verständigung, dann öffentliche Kommunikation, steht im Anhang einer Kundgebung, mit der die EKD aus Dresden mitteilen will, was derzeit bei den Protestanten Sache ist. In der Kundgebung rückt der Gottesdienst in den Mittelpunkt getreu der biblischen Maxime: Wo zwei oder drei unter meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Aus ihm heraus erneuere sich die Kirche immer wieder. In der Kundgebung finden sich Weisheiten wie: Worte, Lieder, Rituale und Gesten des Trostes geben Verunsicherten und Geängstigten neuen Halt ein Satz, den in Dresden kein EKD-Synodaler bezweifeln mochte, auch wenn sich die Hannoveranerin Kerstin Gäfgen-Track mehr fröhliche Menschen in der Kirche wünschte und fragte, warum die grundsätzlichen Überlegungen der EKD ausgerechnet bei einer Veranstaltung einsetzen, die manchmal so kümmerlich daherkommt. Doch dieser unschöne Hinweis auf die mangelhafte Professionalität manches Gemeindegottesdienstes (die auch das Impuls-Papier bemängelte), verfing in Dresden ebenso wenig wie der Ruf nach einem Aufbruch-Signal. Zumindest Kanzleramtschef Thomas de Maizière dürfte die Dresdener Selbstbescheidung der EKD-Synode gefallen haben. Der hatte nämlich zu Beginn der Tagung bemängelt, dass die Kirche nicht mehr vom Deutschen Roten Kreuz oder vom ADAC zu unterscheiden wäre, wenn ihre Kundgebungen zu sehr in der Sprache der Welt erschienen. Immerhin ist der Hybrid-Motor, der mit zwei Antriebsarten und -geschwindigkeiten eine Sache voranbringt, jetzt in Kirchenkreisen angekommen. Wie beim ADAC.
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