12. November 2007  | | Hauptversammlung des Marburger Bund Scharfe Kritik an kirchlichen Kliniken |
Die Ärzteorganisation Marburger Bund (MB) hat auf ihrer 112. Hauptversammlung in Berlin die Arbeits- und Einkommensbedingungen von Ärzten in den 720 kirchlichen Krankenhäusern Deutschlands scharf kritisiert. Einstimmig verurteilten die 203 Delegierten am Samstag (10. November) in einem Beschluss, dass im Vergleich zu öffentlichen Krankenhäusern in kirchlichen Kliniken mehr illegale Dienste und Patienten gefährdende Marathonschichten abverlangt, geleistete Überstunden schlechter vergütet und Arbeitszeiten kaum erfasst würden. Der Marburger Bund forderte die konfessionellen Krankenhausträger daher auf, die in den arztspezifischen Tarifverträgen festgelegten Arbeits- und Einkommensbedingungen zu übernehmen. Die Delegierten erinnerten die kirchlichen Krankenhausträger daran, dass die Arbeitsrechtssetzung auf dem so genannten Dritten Weg nur dann legitimiert sei, wenn christliche Werte die Dienstgemeinschaft tatsächlich prägten und nach außen sichtbar würden. Wo im kirchlichen Krankenhaus das Christliche zurücktritt und sich das Gewinnstreben übermächtig in den Vordergrund drängt, wo versucht wird, sich durch Lohndumping Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, ist für das kirchliche Privileg kein Raum mehr, heißt es in einem Beschluss.
Die Ärztegewerkschaft sehe diesen Dritten Weg kritisch, weil er die zur Verbesserung der Arbeitssituation notwendige Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer (Art. 9 Abs. 3 GG) einschränke.
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