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17. November 2007

 

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Satzungsverstöße in der Diakonie eine Bagatelle?


Mitarbeiter des Christlichen Jugenddorfwerks protestieren gegen einseitige Lohnfestsetzungen

Stuttgart/Ebersbach (epd). Das "Christliche Jugenddorfwerk Deutschland" (CJD) ist nach Meinung vieler Mitarbeiter weit entfernt von christlicher Nächstenliebe. Sie werfen der bundesweit tätigen Einrichtung den Verstoß gegen das kirchliche Arbeitsrecht und Willkür bei der Entlohnung vor. Auf einer Kundgebung vor dem Gebäude des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland in Stuttgart forderten die Mitarbeiter am 14. November ein "Arbeitsrecht auf Augenhöhe".


In einer Resolution, die nach Angaben der Gewerkschaft ver.di 2.500 der insgesamt 8.000 CJD-Mitarbeiter unterschrieben haben, werfen die CJDler ihrem Arbeitgeber vor, dieser entscheide "einseitig" und ohne "Mitwirkung der Arbeitnehmer" über das Arbeitsrecht und damit unter anderem über Arbeitszeit und Gehälter. Der Sprecher des CJD-Vorstands, Hartmut Hühnerbein (Foto oben), bestreitet im Gespräch mit dem epd gar nicht, dass er und sein Vorstand gegen das kirchliche Arbeitsrecht verstoßen. Damit hat Hühnerbein, wie er sagt, "zunächst mal kein Problem". Schließlich habe das Diakonische Werk der EKD die Möglichkeit, das CJD aus dem Bundesverband "rauszuwerfen". Noch aber sei das Werk mit seinen bundesweit 150 Einrichtungen und 8.000 Mitarbeitern Mitglied. Das CJD ist darüber hinaus sogar ein eigenständiger Fachverband im Diakonischen Werk.


Dabei wisse das DW der EKD seit Jahren Bescheid darüber, dass sich das CJD nicht an die Satzung halte, erklärt Siegfried Löhlau von der Gesamtmitarbeitervertretung des CJD. Warum das Diakonische Werk die eigenen Spielregeln nicht konsequent einfordert und Spielverderber gegebenenfalls sogar mit Rauswurf bestraft? Dazu war vom DW der EKD vor Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.


Renate Richter, im ver.di-Bundesverband für den Bereich Kirchen, Diakonie und Caritas zuständig, hat dazu ihre eigene Theorie: "Da stecken finanzielle Erwägungen dahinter", vermutet sie. Große Einrichtungen zahlten schließlich viel Geld an den diakonischen Verband. Das sei der Grund, dass das Diakonische Werk trotz Kenntnis des Satzungsverstoßes bisher keine Konsequenzen gegen sein Vereinsmitglied ergriffen habe.


Die CJD-Mitarbeiter fühlen sich aber nicht nur nicht ausreichend beteiligt, sie fühlen sich auch schlecht bezahlt. Bis zu 20 Prozent weniger als Mitarbeiter in vergleichbaren Tätigkeiten verdienten sie, vermutet Richter. Die jüngste Lohnerhöhung von 1,5 Prozent bezeichnen die Mitarbeiter als "nicht akzeptabel".


Er denke, dass die Vergütung adäquat und auch marktfähig sei, sagt dagegen Hühnerbein und verweist darauf, dass das CJD in Konkurrenz zu anderen Einrichtungen stehe. Wenn die Leistungen des Sozialwerks teurer würden, weil die Personalkosten stiegen, bestehe die Gefahr, dass Aufträge an andere Anbieter vergeben würden und Arbeitsplätze verloren gingen.


Trotzdem suche die CJD-Geschäftsleitung nach Möglichkeiten, ein neues "Vergütungssystem zu etablieren, das den Paritätsanforderungen der Diakonie entspricht". Momentan befasst sich damit ein paritätisch besetzter Runder Tisch im Unternehmen. Im April 2008 sollen erste Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorliegen.


Die Resolution der Mitarbeiter und die Kundgebung hält er zum jetzigen Zeitpunkt für "nicht verständlich". Er vermutet, dass es sich dabei um eine "Werbeveranstaltung für ver.di" handelt. Richter dagegen hält nichts vom "Runden Tisch". Sie findet, das CJD behandle seine Mitarbeiter "wie unmündige Kinder". Es sei ein "Skandal", dass den Mitarbeitern ihr Recht auf Beteiligung sowie ein "angemessener Verdienst" verwehrt bleibe. Dies solle jetzt mit der Kundgebung öffentlich gemacht werden. Und auch Löhlau, der einen Runden Tisch "grundsätzlich für eine gute Sache" hält, beklagt, "wirklich mitreden können wir nicht".


Das Jugenddorfwerk betreut rund 150.000 Menschen im Jahr. Das Angebot des CJD reicht von beruflicher Bildung über Behindertenförderung und Migrationsdienste bis zur Altenhilfe.

 


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