28. November 2008  | | Gegen Dumpinglöhne in der ambulanten Pflege
Landesbischöfin beklagt Orientierung an Billiganbietern |
HANNOVER. Wegen zu geringer Pflegesätze erwägt die Evangelische Landeskirche, sich aus der ambulanten Altenpflege zurückzuziehen. In Niedersachsen würden sich die Pflegekassen an Billiganbietern orientieren", dadurch drohten Dumpinglöhne, kritisierte Bischöfin Margot Käßmann gestern auf der Tagung der Landessynode. Sie betonte, die Kirche wolle in der Pflege aktiv bleiben, es sei aber nicht absehbar, wie das Finanzproblem gelöst werden könne vielleicht müsse es einen gemeinsamen Aufstand der kirchlichen Träger geben. Patienten und Mitarbeiter sei die derzeitige Situation nicht zuzumuten. Der künftige Direktor des Diakonischen Werks der Landeskirche, Christoph Künkel, erläuterte, eine Pflegefachkraft koste rund 42 000 Euro pro Jahr, die Diakonie bekomme jedoch nur ein Entgelt von rund 28 000 Euro. So bleibe eine Lücke von einem Drittel. Etwa die Hälfte der 120 kirchlichen Pflegedienste machen Verluste. Auch die Katholische Kirche klagt über zu geringe Pflegesätze, die Heime der Caritas sind in einer schweren Finanzkrise. Erstmals seit Jahren rechnet die Landeskirche wieder mit einem Haushaltsüberschuss. Fürs laufende Jahr sollen es 15 Millionen Euro sein. Für 2009 sind zwar noch neun Millionen Euro Miese eingeplant, danach will Finanzchef Rolf Krämer aber in den schwarzen Zahlen bleiben. Wegen sinkender Mitgliederzahlen hatte die Kirche 2004 ein Rekorddefizit von 72,8 Millionen Euro eingefahren.
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