01. Januar 2009  | | Bischöfe mahnen Manager Kirchen warnen vor einem Tanz ums Goldene Kalb |
Zum Jahreswechsel haben evangelische und katholische Bischöfe eine Rückbesinnung auf Gott gefordert. Die Krise auf den Finanzmärkten und der Wirtschaftsabschwung stellten die Menschen vor die Frage, worauf es letztlich ankomme, auf Gott oder auf das Geld, hob Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, in Hannover hervor. Wettbewerb, Wachstum und Gewinn sind wirtschaftliche Instrumente. Eine verlässliche Lebensgewissheit stiften sie nicht, sagte der Bischof. Bereits in den Weihnachtstagen hatte Huber den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, scharf angegriffen. Das von Ackermann ausgegebene Renditeziel von 25 Prozent sei eine Form des Götzendienstes und erinnere ihn an den Tanz ums Goldene Kalb. In seiner Neujahrspredigt warnte Huber erneut davor, das Streben nach Geld zur alleinigen Lebensgrundlage zu machen. Wer den Wohlstand bewahren wolle, dürfe ihn nicht zum letzten Wert machen. Huber erinnerte auch an die Verantwortung, die Reichtum und Besitz mit sich brächten. Wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern, zitierte er das Lukas-Evangelium. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erklärte, viele Menschen bauten darauf, dass sie sich mit Geld gegen jede Not absichern könnten. Wie unsicher und verletzbar diese Absicherung ist, wurde uns im vergangenen Jahr bewusst, als alle Kurse wankten, so die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Davon seien nicht nur die Superreichen betroffen gewesen, sondern auch viele kleine Leute. Kardinal Karl Lehmann in Mainz warnte die Gläubigen davor, ihr Leben an materiellen Werten auszurichten. Der Reichtum verbirgt oft den Geschenkcharakter unseres Lebens, sagte Lehmann. Es scheine, dass mancher Umgang mit dem Reichtum die Menschen nicht zufrieden, sondern unersättlich mache. In den letzten Jahrzehnten gab es im Bankenwesen Entgleisungen. Der Händlergewinn stieg manchen in den Kopf, mahnte Lehmann, der zugleich vor einfachen Schuldzuweisungen warnte: Wir leben auch selbst in diesen Systemen und können, wenn wir nicht Einsiedler in der Wüste sein wollen, nicht einfach aus ihnen herausspringen. tarif 09
Zurück
|