17. Februar 2009  | | ARK Nds. Lohnrunde 2009 Arbeitgeber in der Offensive? |
Die Arbeitgeber suchen ihr Heil in der Flucht nach Vorn. In einer bisher nicht da gewesenen Form, versucht der Verband der diakonischen Arbeitgeber DDN, Einfluss auf die betriebliche Meinung in den diakonischen Einrichtungen und nun auch in der breiten Öffentlichkeit zu gewinnen. Nachdem bereits in der letzten Woche in den Einrichtungen über ein an alle Mitarbeitende gerichtetes Rundschreiben die Botschaft des DDN an den Mann und natürlich vor allem an die Frau gebracht wurde, wird nun auch über die Tagespresse die große Öffentlichkeit gesucht. In der Hannoverschen Allgemeinen vom Freitag (siehe Artikel), äußerte sich der Vorsitzende des DDN Hans Peter Hoppe. Er hatte nicht viel neues, geschweige denn informatives zu bieten und so wurde weiterhin nach bekanntem Muster das Bild verklärt. Die Argumentationen sind dabei jedoch so schlicht wie falsch. So grenzt der Versuch eine Sonderstellung der Diakonie zu konstruieren, die unter dem Druck privater Konkurrenz nicht in der Lage sei, ihre Mitarbeitenden an der allgemeinen Einkommensentwicklung teilhaben zu lassen, an gezielte Desinformation. Unsere zur Debatte stehende Forderung beinhaltet nicht mehr, als die Übernahme der in den übrigen Bereichen der Sozial und Gesundheitsbranche bereits vollzogenen Tarifentwicklung. So ist es nicht der Ausgleich eines imaginären Wettbewerbsnachteils, nein im Gegenteil, Ziel der Arbeitgeber ist die Erlangung eines Wettbewerbsvorteils durch geringere Personalkosten als bei den Mitbewerbern z.B. den tarifgebunden Wohlfahrtsverbänden oder der Caritas. Diese orientieren sich entgegen aller auch jüngst erhobenen Behauptungen auch weiterhin am Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes TVöD. Auch die wiederholte Behauptung, die von den Arbeitgebern beabsichtigte Verlängerung der Arbeitszeit sowie die völlige Erfolgsabhängigkeit der Jahressonderzahlung, entspräche einer 4,1 % Entgeltsteigerung, basiert wohl auf der (falschen) Annahme, die in der Diakonie beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten nicht 1 und 1 zusammenzählen und ließen sich für dumm verkaufen. Wie aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen und den zwischenzeitlich zahlreichen Rückmeldungen aus den Einrichtungen deutlich wird, ist davon auszugehen, dass den Arbeitgebern hier eine schmerzhafte Erfahrung bevorsteht. Doch wie zum Beweis, dass doppelt besser hält, wiederholte der DDN Vorsitzende am Montag seine Behauptung und wiederum bot ihm die Hannoversche Allgemeine das Forum für den zwischenzeitlichen Höhepunkt der PR Bemühungen des DDN (siehe Artikel). Diesmal wurde mit der ganz großen Keule ausgeholt. Überschrift "Diakonie droht mit Schließungen". Es erscheint jedoch eher als ein Zeichen von Hilflosigkeit, wenn nun, wie in allen vorausgegangenen Lohnrunden, erneut das Schreckgespenst der drohenden Schließung von diakonischen Einrichtungen heraufbeschworen wird. Das man sich von Seiten diakonischer Arbeitgeber jedoch auch in der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation nicht scheut, die Unsicherheit der Mitarbeitenden anzusprechen und unverhohlen versucht bei den Mitarbeitenden die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes zu schüren, lässt Zweifel an der Moral aufkommen und ist nicht ohne weiters zu entschuldigen.
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